Ortsgemeinde Freimersheim in Rheinhessen

Strassen und Verkehrswesen

(Zusammengetragen von Dr. Manfred Halfer†)

Neuzeit

Um 1787 führte durch Freimersheim die „gemeine Landstraße„ von Alzey nach Kaiserslautern; im Ort selbst wurde Landzoll erhoben. Diese Straße war nicht nehr leistungsfähig. Daher wurde auf Veranlassung von Napoleon I. aus militärischen Gesichtspunkten eine Fernstraße von Paris nach Mainz gebaut: Die Kaiser - Straße (Pariser Straße).

Die „Kaiserliche Straße I. Klasse“ (route impériale) weist eine Großzügigkeit im Grundbau und im Höhenplan auf; die Bauweise geht auf den französischen Ingenieur Pierre Trésaquet zurück. Die Straße wurde zwischen 1807 und 1811 vollendet; verantwortlich waren Monsieur Six im Allgemeinen und im Departement Mont-Tonnerre Monsieur Saint-Far.   Von der Fertigstellung in unserem Bereich ( B40) kündet ein Obelisk ] mit der Aufschrift:

Straße Napoleons des Großen, vollendet im Jahre ### der Regierung Napoleons, des Kaisers der Franzosen.

Im Jahre 8 nach französischer Zählung (1799/1800) gelten für die Unterhaltung der Straßen folgende Tarife pro Erhebungsstation; eine Station entspricht etwa 5 Entfernungskilometer. So finden wir auf der Strecke Alzey - Kirchheimbolanden 3 Zahlstationen.   Auch die Tarifstruktur ist überliefert.

Von einer Station, zu 5 Kilometres oder einer Stunde gerechnet, wird bezahlt:
Für jedes an einem Wagen oder Karrn gespanntes Pferd oder Maultier
10 Ct. od. 2kr 3Pf.

Für jeden angespannten Ochsen oder Esel
1 Ct. od. 1kr 1Pf.

Für jedes berittene Pferd oder Maulthier
10 Ct. od. 2kr 3Pf.

Für jedes an eine Chaise gespanntes Pferd oder Maulthier
15 Ct. od. 4kr 0Pf.

Für jedes auf dem Rücken beladene Pferd oder Maulthier,
5 Ct. od. 1kr 1Pf.
wenn es auch blos geführt wird

Die Mauleselinnen, Kühe und Stuten sind in den allgemeinen Benennungen Pferd, Ochs und Maulthier inbegriffen, und die nemliche Gebühr wird für sie entrichtet. Davon sind ausgenommen:
1. Die auf die Waide gehenden; und die zum Feld- und Straßenbau gebrauchten Thiere und Transportwägen, wenn die Fuhrknechte mit einem Zeugnisse des Oberingenieurs versehen sind.
2. Die mit Uniform bekleideten und Marschzetteln versehenen Offiziere und Soldaten, welche einzeln oder zusammen reiten.
3. Die Ingenieurs des Staßenbaus, wenn sie ihre Umreisen machen.
4. Die mit Frucht oder Mist beladene Wägen, jedoch nur bei der Ausfahrt und bei der Rükkehr, im Fall sie mit mehr als einer Last von 5 Zentnern, auf jedes Pferd berechnet , beladen sind.
5: Einwohner der Gemeinden, worin Zollstätten sind, wenn sie ihre Pferde zur Arbeit führen.
6. Die abgespannten zurükkehrenden Postpferde, wenn Postknechte ihr gesezliches Schild auf dem linken Arm tragen.
7. Die zum Dienst der Artillerie oder Militärmagazine gebrauchten Requisitionspferde und Wägen wenn die Fuhrknechte ein Zeugnis aufzuweisen haben.

Die Gebühr ist verringert:
1. Für die Landleute, welche Gemüß, Geflügels, Eier, Milch, Butter, Torf, Steinkohlen und Brennholz nach einer Gemeinde führen. Sie zahlen, wenn sie nicht über 4 Stunden weit herkommen, nur für eine Station, und eben so viel bei der Rükkehr.
2. Für die Wägen und Karrn, welche gänzlich leer sind, wird nur die Gebühr wie für uneingespannte Thiere entrichtet.
3. Für die zum Dienst der Bergwerke oder Eisenwerke gebrauchten Pferde wird nur eine verhältnismäßige Abgabe für den Weg bis zum Ort ihrer Bestimmung bezahlt. [1] [6]

Neueste Zeit

In der Folgezeit wurde die Verkehrsanbindung des Ortes systematisch verbessert: 1893 Verbindungsweg zur Kaiserstraße, 1899 Bau der Landstraße nach Ilbesheim, 1906 Bau der Landstraße nach Wahlheim, die früher durch die Pfarrwiesen führte.

Nach dem Straßenneuregelungsgesetz von 1939 erhält die Provinzialstraße Mainz-Kaiserslautern (Kreisstraße B40-Freimersheim ) über Alzey die Bezeichnung Reichsstraße Nr.40. Die Verkehrsverbindung Framersheim -Dautenheim - Ilbesheim wird als Landstraße II. Ordnung eingestuft (L445 Wahlheim-Freimersheim-Ilbesheim). Durch den Bau einer Autobahnanschlußstelle 1981 an der A63 erfährt Freimersheim eine gute Anbindung an die Ballungszentren Rhein - Main und Neckar.

Eisenbahn

Von Vorteil für Freimersheim war im 19. Jahrhundert die Anbindung an das überregionale Verkehrsnetz durch den Bau der Eisenbahnlinie Alzey - Kirchheimbolanden. Die Forderung nach einer solchen Verbindung schlägt sich bereits 1857 in einer Denkschrift nieder.

Am 26.09.1867 wurde ein Staatsvertrag zwischen der Großherzoglich Hessischen und der Königlich Bayerischen Regierung geschlossen. Danach soll eine Bahn von Kaiserslautern über Kirchheimbolanden nach der Grenze (Ilbesheim) in Richtung Alzey, die sogen. Donnersbergbahn, gebaut werden. Von Alzey aus war eine Führung durch den Kettenheimer Grund nördlich von Kettenheim, Wahlheim und Freimersheim vorgesehen.

Diese kürzeste und steigungsärmste Strecke wurde dann auch abgesteckt. Die Bauarbeiten begannen erst 1871; die Eröffnung der 8,9 km langen Strecke bis zur bayerischen Grenze bei Ilbesheim erfolgte erst zum 31. Dezember 1873. Da auf bayerischer Seite noch langsamer gebaut wurde, konnte die 5,4 km lange Strecke von Marnheim über Kirchheimbolanden zur Grenze bei Ilbesheim erst am 18. Juli 1874 übergeben werden. Diese Verbindung Mainz-Kaiserslautern über Alzey war zunächst eine reine Personenverbindung; an einen überregionalen Durchgangsverkehr war nicht gedacht.

Der Personenverkehr auf dieser Strecke wurde 1951 eingestellt; von diesem Zeitpunkt bis zur Wiederaufnahme des Personenverkehrs durch die Eurobahn am 30.05.1999 wurden nur noch Massengüter wie Zuckerrüben oder zuletzt Basalt befördert. Als Anschubfinanzierung wurden der Eurobahn (Bahngesellschaft Waldhof AG) 2,8 Millionen DM von der rheinland-pfälzischen Landesregierung bewilligt. Von Mai 1999 bis zum August 2000 verkehrten auf dieser Strecke Dieseltriebwagen vom Typ LVT/S; sie waren dem Ansturm der Gäste nicht gewachsen und wurden durch den modernen Regioshuttle RS1 ersetzt. Dieser Zug verkehrt regelmäßig im Stundentakt zwischen Alzey und Kirchheimbolanden; Haltepunkte sind Wahlheim und Freimersheim.

Regioshuttle RS1

Betriebsnummern und Fabrikdaten

VT1.01
Hersteller: ADtrans
Fabriknummer: 36881
Baujahr: 2000

VT1.02
Hersteller: ADtrans
Fabriknummer: 36882
Baujahr: 2000

  • Einteiliger dieselhydraulischer Triebzug mit Drehgestellen
  • Mehrfach-Traktion bis zu fünf Triebwagen
  • Motorleistung 2*257 kW
  • 71 Sitz- und 83 Stehplätze (bei vier Personen / m²)
  • Höchstgeschwindigkeit 120 km/h

Länge über Kupplung: 25.000 mm
Breite: 2.900 mm
Lichte Türweite: 1.300 mm
Raddurchmesser: 770 mm
Spurweite: 1.435 mm
Einstiegshöhe: 600 mm
Fußbodenhöhe Hochflurbereich: 1.000 mm
Fußbodenhöhe Niederflurbereich: 590 mm
Gesamtgewicht: 56.000 kg